Vom teuersten Rosenöl der Welt

Rosenernte in Bulgarien: Bulgarien zählt zu den bedeutendsten Rosenöl-Lieferanten der Welt. Seit mehr als 300 Jahren wird das Duftöl hier destilliert.

In einem windgeschützten Tal in Bulgarien wächst seit Jahrhunderten eine besondere Blume: die Damaszener-Rose. Aus ihren Blütenblättern wird das teuerste Rosenöl der Welt destilliert. Für nur einen Liter Rosenöl sind rund vier Tonnen der Blätter nötig.

Jede Rosenernte ist im Rosental  ein Fest. Die Rosen geben bis zu Zehntausenden Bulgarinnen und Bulgaren Arbeit. Im Gegensatz zum Glamour des bulgarischen Rosenöls, das als Komponente im berühmten französischen Parfüm “Chanel N°5” verwendet wird, ist das Pflücken der Rosenblätter ein mühseliges und schlecht bezahltes Geschäft.

Nicht weit von Kazanlak entfernt, liegt das kleine Dorf Kantschevo inmitten von Rosenfeldern. Im Vergleich zu ihnen wirkt das Dorf trist und grau. Eine zerfahrene Dorfstraße, die eher an einen Feldweg erinnert, Häuser ohne Vorgärten, eine Kirche ohne Friedhof und eine Kneipe, vor der die Dorftrinker schon früh am Morgen sitzen und warten, bis sie endlich öffnet. Ungeniert neugierig begaffen sie jedes Auto, das vorrüberfährt, mit bedächtiger Langsamkeit. Nur die verwitterte Fassade des Dorfklubs lässt den einstigen Wohlstand der Gemeinde erahnen, als das Dorf noch gemeinsam Landwirtschaft betrieb, genügend bezahlte Arbeit da war, als es noch eine eigene Schule gab, die Kinder  im Ort blieben und nicht, kaum Erwachsen,  in die Stadt flüchteten. Das ist alles eine gefühlte Ewigkeit her.

Rosen zu pflücken, ist schwer Handarbeit

Die Pflückerinnen und Pflücker sind selbst in gebückter Haltung zwischen den niedrigen Rosenbüschen kaum zu übersehen. Eine alte Frau am Feldrand in bunter Tracht hat sich Rosenblüten ins Haar gesteckt, sie lächelt mit zahnlosem Mund.

Sie stellt sich mit Stefanka vor. Geschickt nimmt sie die volle Rosenblüte zwischen Zeige- und Mittelfinger und zieht sie mit einem kurzen Ruck nach oben. Und wie schützt sie sich gegen die Dornen?

“Manche pflücken mit Handschuhen. Das kann ich nicht, ich muss die Rosenblüte fühlen können. Das macht jeder, wie er will.”

Stefankas knochige Hände sind flink. Sie kommt aus dem Dorf Kantschevo:

“Hier haben wir immer schon Rosen angebaut. Schon vor dem Kommunismus und vor dem Zweiten Weltkrieg. Wir haben sie immer so gepflückt. Reich sind wir nie davon geworden. Ich war Hausfrau, nun bin ich Rentnerin und betreue die Pflückerinnen – und wir sind da, wenn die Touristen kommen.”

Und die kommen immer sonntags ins Rosental. Sonntag ist deshalb ein besonderer Tag auf dem Rosenfeld. Die älteren Frauen singen sich ein. Sie tragen Trachten des Rosentals: weiße Blusen mit Spitzeneinsätzen unter gewebten Westen, buntbestickte schwarze oder rote Glockenröcke. Die gestickten Rosenblüten konkurrieren mit den frisch gepflückten Blumen, die sich die Frauen ins Haar gesteckt haben oder  aufgefädelt um den Hals tragen.